Die europäischen Circusprojekte
Zum vierten Mal in Folge fand in diesem Jahr ein ZappZarap Circus Camp in Mühlbach am Hochkönig in Österreich und zum dritten Mal ein Projekt in Srebrenica in Bosnien Herzegowina statt. Beide Projekte wurden von Michael Kowarsch und seinem gemeinnützigen Verein Blohappat ins Leben gerufen und von ZappZarap unterstützt. Bereits in den letzten Jahren gab es enge Kooperationen zwischen beiden Projekten: Das Team vom Circus ZappZarap und ehrenamtliche Teamer vom Bürgerzentrum Köln-Deutz gastierten erst eine Woche in Österreich, um dann im Anschluss zusammen mit Ehrenamtlichen von Blohappat das einwöchige Circus-Camp in Srebrenica zu veranstalten.
In diesem Jahr wurde dieses bewährte Konzept noch um eine ganz besondere Aktion erweitert: 27 Kinder und Jugendliche aus Bosnien-Herzegowina nahmen an dem Circus-Projekt in Mühlbach teil. Für die meisten von ihnen war dies der erste Besuch der europäischen Union und für viele ihre erste Auslandsreise überhaupt.
Bei strahlendem Sonnenschein war das Circus-Camp in Mühlbach ein voller Erfolg. Einer von vielen Höhepunkten waren die Auftritte der Ein-Rad-Artisten von Uni-Cycle Tirol. Die amtierenden Europameister boten atemberaubende Ein-Rad-Akrobatik vor der spektakulären Kulisse des Hochkönigs.
Im Anschluss machten sich die pädagogische Leiterin des Bürgerzentrums Köln-Deutz Miriam Meisenburg mit ihrer Circusgruppe, Stefan Waskow der künstlerische Direktor von ZappZarap, viele ZappZarap-Teamer und Ehrenamtliche auf den Weg nach Bosnien-Herzegowina. Dort wurden sie von den Vertretern von "Bauern helfen Bauern" empfangen. BHB ist ein österreichischer gemeinnütziger Verein, der sich seit Jahren in Ex-Jugoslawien engagiert und uns bei der Organisation des Camps in Srebrenica unterstützt.
Srebrenica war der Schauplatz des schrecklichsten Massakers in Europa seit Ende des 2. Weltkrieges. (Nähere Informationen zu dem Thema findet ihr hier.) Die Stadt ist immer noch von den Wunden des Jugoslawien-Krieges gezeichnet und Bosnien-Herzegowina muss bis heute von der europäischen Union stabilisiert werden. Umso wichtiger ist es den Kindern und Jugendlichen ein wenig Ablenkung vom tristen Alltag und ein Stück Normalität zu bieten. Den hohen Stellenwert der unserem Circuscamp beigemessen wird, zeigt auch der Besuch des Hohen Repräsentanten der Europäischen Union Valentin Inzko.
Der österreichische Diplomat zeigte sich beeindruckt, wie gut die bosnischen, kroatischen und serbischen Kinder und Jugendlichen zusammenarbeiteten und die Projektwoche gestalteten.
Beide Projekte in Srebrenica und Mühlbach am Hochkönig werden durch ehrenamtliches Engagement ermöglicht und werden nicht durch öffentliche Gelder gefördert. Wenn ihr das Projekt in Bosnien-Herzegowina unterstützen wollt, nehmt gerne Kontakt zu uns auf. Fotos von den Projekten findet ihr auf unserem Facebook Auftritt unter ZappZarap.
Einen Artikel zu dem letztjährigen Srebrenica-Projekt findet ihr in unserem Pressarchiv und weitere Informationen zum Bürgerzentrum Köln-Deutz erhaltet ihr hier. Alles rund um die Projekte von Blohappat findet ihr hier.
Vom Praktikanten zum Circuspädagogen
Ein ZappZarap Teamer erzählt von Devil-Sticks, Magie, Tierschutz und einer Diplom-Arbeit.
ZappZarap: Linnert, wann bist Du denn zum ersten Mal mit Circus in Kontakt gekommen?
Linnert: Wie so fast jedes Kind, war ich des Öfteren als Zuschauer bei Circus-Vorstellungen, wenn gerade einer bei uns in der Nähe gastiert hat. Natürlich fand ich es, als noch nicht nachfragendes Kind total faszinierend, was dort alles mit Tieren angestellt wurde und wie nah man solchen exotischen Geschöpfen sein kann. Zudem umgab so ein Circuszelt immer eine gewisse Magie und diese Magie spüre ich auch heute noch. Es ist etwas sagenhaftes, im Prinzip eine vollkommen andere Welt.
Welche Genres haben dich am Meisten fasziniert? Haben sich deine Vorlieben im Laufe der Jahre verändert?
Am tollsten fand ich als Kind natürlich die Zauberer und die Tiervorstellungen. Mit den Jahren bemerkte ich, dass Circus mit Tieren eine pure Quälerei ist und ich mich, da ich mich mittlerweile entschieden hatte vegetarisch zu leben, damit überhaupt nicht mehr identifizieren konnte. Weswegen ich auch dann mehrere Jahre keine Circus-Vorstellung mehr besucht habe.
Dann kam irgendwann der Punkt, an dem ich anfing zu jonglieren. Zuerst mit Bällen, danach mit Devil-Sticks und verschiedenen anderen Spielgeräten.
Durch meine Arbeit im Circus ZappZarap sind meine Vorlieben viel umfassender geworden. Angefangen von der intensiven Jonglage, erweitert durch Fackelstangen und Feuerspiele, bin ich mittlerweile sogar im Balancebereich, sprich Rola, angekommen. Zudem habe ich die Clownerie und die Zauberei für mich entdeckt. Trotz Allem ist meine größte Vorliebe immer noch die Jonglage mit Bällen. Mittlerweile jongliere ich aber auch sehr gerne mit Keulen und Fackelstangen.
Wie und wann hast Du ZappZarap kennengelernt?
ZappZarap habe ich 2006 kennengelernt, als ich im Jugendzentrum Zweibrücken mein Praktikum für die Fachoberschule gemacht habe. Dort ist den Mitarbeitern während der Arbeit aufgefallen, dass ich ja jonglieren konnte (da ich mit so ziemlich allem, was in einer 3er Konstellation herumliegt, versucht habe zu jonglieren). Und dass ich somit ja schon prima als Trainer für die Circuswochen geeignet wäre. Gesagt, getan. Seit dieser Zeit habe ich in jedem Jahr mindestens eine Woche in Zweibrücken als Trainer ehrenamtlich mitgewirkt.
Und warum hast Du dich entschlossen professioneller Circuspädagoge zu werden?
Warum? Nun ja, weil man mit dieser Art von Arbeit, meiner Meinung nach, Kinder am Besten erreicht. Sie tauchen, wie bei einem Besuch einer Circus-Vorstellung, in eine komplett neue andere Welt ein und übernehmen hier sogar selbst eine tragende Rolle. Etwas das auch mit der Übernahme von Verantwortung, dem Aufbau des Selbstbewusstseins und der Erweiterung diverser weiterer sozialer Kompetenzen verflochten ist.
Und mittlerweile ist es bei jedem Camp das Strahlen und Blitzen in den Augen der Kinder, wenn sie in der Manege stehen, was mich antreibt und bestärkt diese Art von Arbeit weiterzumachen und selbst Kraft dadurch zu schöpfen.
Du studierst Soziale Arbeit und schreibst jetzt sogar deine Diplomarbeit über circuspädagogische Projekte bei ZZ. Wie kam es dazu und über was genau schreibst Du denn?
Es lag für mich relativ nah über ein Thema zu schreiben, hinter dem ich zu hundert Prozent stehe. Ergo blieb eigentlich nur die Circuspädagogik. Ich versuche zum einen die Geschichte des Circus und der Circuspädagogik zu beleuchten, um später anhand diverser circensischer Methoden zu erläutern wie und warum die Soziale Arbeit diese speziellen Methoden nutzen sollte.
Wirst Du dem Circus auch in den nächsten Jahren erhalten bleiben?
Solange ich Spaß an der Arbeit habe und ich das Kind in mir tragen und auch herauslassen kann, werde ich dem Circus treu bleiben, auch wenn ich dann irgendwann alt und grau sein sollte.
Und wenn ihr wissen wollt, wie der Linnert aussieht findet ihr hier Fotos von ihm.
Die Bunte Tüte
In unserem Pressearchiv findet ihr hunderte von Presseartikeln und Referenzschreiben. Referenzschreiben zufriedener Projektpartner und Artikel über unsere circuspädagogische Arbeit, die in Zeitungen wie der SZ, der WAZ oder dem Barnim Echo erschienen sind. Überzeugt euch selbst, wie kritische Journalisten unsere circuspädagogische Projektarbeit beurteilen.
Daneben erreichen uns immer häufiger Zuschriften, wie zum Beispiel liebevoll gestaltete Collagen, fantasievolle Plakate, Speisekarten von Galaveranstaltungen oder Projektzeitungen, die von Kindern und Jugendlichen erstellt wurden.
Zwei besonders gelungene Projektzeitungen möchten wir euch in unserer neu geschaffenen Rubrik „Bunte Tüte“ präsentieren: Das „Sontheimer Zirkusblatt“ – das für den stolzen Preis von 3,50 € verkauft wurde - der Paul-Meyle Schule für körperlich und geistig Behinderte und die „Zirkus Zeitung" der KGS Hennef.
In der Bunten Tüte unseres Pressearchivs findet ihr jede Menge kreative Anregungen für eure eigenen ZappZarap Circusprojekte: Manege frei und viel Spaß beim Stöbern!
Inklusion in der Manege
In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift b:sl Beruf: Schulleitung findet Ihr auf Seite 30 einen Artikel über die Möglichkeiten und Chancen der Inklusion in Circusprojekten. b:sl ist das Magazin des Allgemeinen Schulleitungsverbands Deutschlands e. V. und erscheint vierteljährlich. Die Internetseite des ASD findet Ihr hier. Den vollständigen Artikel als PDF findet Ihr in unserem Archiv.